Ausstellung

Group Show

Anzinger, Certa

26 Mai – 30 Juni 2018

Siegfried Anzinger erzählt in seiner jüngsten Werkreihe von der Flucht; der Flucht nach Ägypten in Anlehnung an die Bildtradition christlicher Ikonographie. Ihm gegenübergestellt werden neue Arbeiten von Amadeus Certa, der sich der Burg widmet, als Symbol für einen profanen, ritterlichen und zugleich fabelhaften Ort der Zuflucht und des Schutzes.

Siegfried Anzinger verortet seine durch grüne Täler und blaue Bergketten ziehenden Figuren in orientalistischer Atmosphäre. Symbole für Okzident und Orient vermischen sich mit Figuren der christlichen und mythologischen Ikonographie: Affen und Engel, Putten und Kleinkinder sind mit dem Elternpaar in satten Schleiern, transparenten Turbanen und weiten Gewändern auf Reise. Die umherziehende Familie wird in Anlehnung an die Bildtradition der Flucht nach Ägypten Sinnbild für das politisch aufgeladene Thema der Migration. Dabei tritt ihre Identität hinter den mit starken Strichen gezogenen Schleiern und den satt farbenen Stoffen zurück. Der Schleier dient dabei ganz ambivalent als Anziehungs- und Verhüllungsmittel, durch das alleine die Frauenaugen hervorblitzen. Die stolze, aber unkenntlich verhüllte Mutterfigur thront mal auf einem tiefblauen Berg, mal auf einem Pferd. Anzingers Männerfiguren zeigen sich in ihren Körperformen und Gesichtszügen unterdessen unverhüllt, verblassen aber bei genauerem Blick hinein in den Hintergrund oder verlaufen zu groben Umrissen. Die Familienmitglieder sind Beobachtete auf ihrer Reise, doch geben sie als abweisende Rückenfiguren außer ihren Silhouetten nichts preis. Ihre Farben verlaufen, münden in Schlieren der Uneindeutigkeit. Die sich entziehenden Figuren regen die Spekulation des Betrachters an, provozieren ein verhohlenes Imaginieren des Unbekannten.

Amadeus Certa erhebt in seinen Ölarbeiten die Burg zum Ort der magischen Anziehung, zur Metapher der Liebe und Rettung. So lockt sie über weiß schimmernde Trittspuren den Blick des Betrachters an durch die Schwärze der Nacht, durch eine dunkle Zone zwischen räumlich wirkendem Nichts und kosmischer Imagination. Die Festung verspricht dem Betrachter Ort der Zuflucht, des Schutzes, der Geborgenheit und Ruhe zu sein. Doch was hinter ihren dicken Mauern und zackigen Zinnen wartet, welche leise Verheißung sie dem Strebenden bedeutet, ist unbekannt – welches erwartete Geheimnis den Blick durch Vorder- und Hintergrund, Fläche und Tiefe der Zeichnung bis in ihre Mauern zieht ebenfalls. Certas Szenen scheinen wie die Traumbilder eines sich eng umschließenden Paares, über dessen Köpfen wie eine Metapher die Burg liegt. Weiße und schwarze Einhörner laufen oder fliegen auf dem Weg zur Festung. Die mythischen Gestalten sind wie das Paar räumlich ambivalent, durch die festen, schnellen Umrisse an den Vorder- wie Hintergrund gebunden. Der beinahe kindliche Strich macht Certas Zeichnungen zu ganz ursprünglichen Bildern des Sehnens und Liebens. Immer wieder tauchen Figur und Bezeichnung des Retters auf, dessen breit gezogene Silhouette sich in Anlehnung an ritterliche Ideale und Tugenden mit seiner Liebe im Arm den Weg durch Szenarien voller greller Explosionen, wilder Wortfetzen und unübersichtlicher Kritzeleien bahnt, um die Frau geborgen und unbeschadet heimzuführen.

Eine Ausstellung mit neuer Malerei von Siegfried Anzinger und Amadeus Certa. Zur Eröffnung am Freitag, den 25. Mai 2018 ab 19 Uhr wird herzlich eingeladen.


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Siegfried Anzinger (g. 1953 in Weyer an der Enns, Oberösterreich) kann auf zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen zurückblicken, seine Arbeiten sind weltweit in bedeutenden Museen und öffentlichen Sammlungen vertreten. Anzinger ist Träger des Oskar-Kokoschka-Preises, zuletzt wurde sein Schaffen mit dem Großen Österreichischen Staatspreis gewürdigt. Seit 1997 hat Siegfried Anzinger eine Professur für Malerei und Graphik an der Kunstakademie Düsseldorf inne.

Amadeus Certa (g. 1992 in Mannheim) hat das Studium der Malerei und Graphik an der Kunstakademie Düsseldorf mit Auszeichnung abgeschlossen und ist Meisterschüler von Siegfried Anzinger. 2016 wurde Certa mit dem Absolventenpreis der Kunstakademie Düsseldorf sowie dem Champagne Jacques Picard Kunstförderpreis gewürdigt.