Ausstellung

Group Show

Coincidence

23 Jan – 20 Feb 2016

Vom 23. Januar bis zum 20. Februar 2016 finden sechs zeitgenössische Positionen zusammen, die sich dem ästhetischen Diskurs über Erscheinungsformen von Wirklichkeitsstruktur stellen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist der Versuch einer Annäherung an das Phänomen des Zufälligen.

Kunst ist sinnlich erfahrbare Erscheinung von Wahrheit und Medium der Erkenntnis – umso tiefreichender, je mehr sie mit Strukturen und Relationen von Wirklichkeit korreliert. Ein besonderes Strukturphänomen bezeichnet der Zufall als irrationales Moment, das ebenso erkennbar und wirklich ist, wie es sich zugleich der vollständigen Erklärung entzieht. Der Zufall verharrt in seiner vagen Erscheinung, entäußert eine Wirkung, die sich nicht auf eine Ursache zurückführen lässt. Er weist darin Analogien zu dem auf, was die Scholastik mit dem Begriff des "unbewegten Bewegers" als höchste Instanz, als das Göttliche und Initiationspunkt aller Wirklichkeit zu beschreiben versucht hat, oder etwa von den Surrealisten als Ideal der Liebe proklamiert wurde. Einer Vorstellung von Liebe, die den Liebenden "zu fällt", und nicht rational nachvollziehbar ist. Letztlich veranschaulicht der Zufall hierin, dass sinnliche Erfahrung unsere Erkenntnisfähigkeit übersteigt. Das Kunstwerk, das sich dem Zufälligen, einem "zu sich kommen lassen" verschreibt, intendiert den Verlust der Kontrolle über die Konstruktion, über Logik und Kausalität im Abbild, modifiziert Funktion und Identität des Künstlers, und verhaftet ein unmittelbares Stück Welt in sich.

Die Konstellation der vorgestellten Künstler, allesamt Studierende und Absolventen der Kunstakademie Düsseldorf, bezeichnet sich durch gegenseitige Kenntnis und Einflussnahme. Und dennoch ist jede Position eigenständig. Im Rahmen der Ausstellung wird dieses Beziehungsgeflecht weiter verknüpft und in einem Spannungsfeld von der Wirklichkeitskonstruktion zur reinen Adaption des Zufälligen einander gegenübergestellt: von den malerischen Kompositionen von Erik Olson, die dem Betrachter durch die werktypische Auflösung des Figurativen in Vielansichtigkeit die Möglichkeit ständiger Neukonstruktion anbietet, zum Künstlerduo Leclaire & Bittner, die eine dem Betrachter vorbehaltene Möglichkeit subjektiver Implikation in Malerei als offenes Kunstwerk besetzen und durch die Installation einer Video-Projektion fest verorten. Von der dreiteiligen, der Präzision verpflichteten Druckgrafik von Christoph Beyer bis hin zu zufallsorientierten Praktiken, wie etwa in der Radierung von Johanna Honisch oder in der suggestiven, surrealistischen Malerei von Prae Pupityastaporn.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, den 22. Januar 2016 ab 18 Uhr wird herzlich eingeladen.

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Christoph Beyer (g. 1984 in Leisnig)

Christoph Beyer lässt in seinen kontrastreichen Druckgrafiken filigrane Tier- und Menschenmotive aus geraden, geschwungenen und zackigen Linien entstehen. Bieten klar erkennbare Raubtiere oder Menschen eine szenische Verortung an, bestätigt sich dies nicht ohne weiteres. Beyers Wechsel zwischen Hell und Dunkel schafft ein Stadium zwischen Fläche und Raum, Positiv und Negativ. Schwarz wird zum Vor- und Hintergrund, je nach Überzug mit hellen Strukturen zum sternübersäten Nachthimmel oder spiegelndem Wasser. Doch im Übergang in die völlige Abstraktion lassen monochromere Motive in Ornament- oder Scherenschnittoptik weiterhin Assoziationen mit universellen Motiven zu. Christoph Beyer hat 2015 das Studium der Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Peter Doig als Meisterschüler mit Akademiebrief abgeschlossen. Seine Arbeit wurde 2008 mit dem Lovells LPP Kunstpreis ausgezeichnet. 2012 verbrachte er ein Austauschsemester an der Royal Academy of Arts in London, zwei weitere Austauschsemester führten ihn 2014 nach Los Angeles, wo er seit Jahresbeginn 2016 als Stipendiat lebt und arbeitet.



Erik Olson (g. 1982 in Calgary)

Erik Olson führt mit plastischem Duktus vor, wie er seine pastosen Motive generiert: expressiver Strich konstruiert oder zerwirft in bunter Farbigkeit abstrakte wie illusionistische Portraits oder Akte. Mal zersplittert oder verwischt der Künstler seine Bildthemen in festen, rhythmischen Strichen nahezu bis zur Abstraktion, mal setzt er sie akkurat und geschlossen aus kontrastierenden Farbfeldern zusammen. Zwischen deren breiten Facetten überlagern sich verschiedene Motiv-Ansichten seiner Malerei und Plastik. Olsons schwungvolle Schlieren und Vertikalen verleihen den Bildakteuren Bewegung und Geschwindigkeit, wenn nicht gar Rasanz. Erik Olson studiert seit 2014 Malerei in der Klasse von Peter Doig an der Kunstakademie Düsseldorf. 2007 graduierte er an der Emily Carr Universität für Kunst in Vancouver. Seine Arbeiten waren neben zahlreichen Galerie-Ausstellungen in New York, London und Edmonton bereits in der National Portrait Gallery in London, der Scottish National Portrait Gallery in Edinburgh, dem Royal Albert Memorial Museum in Exeter, im Glenbow Museum sowie im MOCA Calgary zu sehen. Erik Olson wird in den USA in einer von Thames & Hatcher publizierten Auswahl der 100 aufstrebenden zeitgenössischen Künstler von morgen aufgeführt.



Johanna Honisch (g. 1984 in Kirchdorf a.d. Krems, Österreich)

Johanna Honisch verleiht den Motiven ihrer Drucke aus zarten Linien und noch zartren Lasuren Orte des Rückzugs in die stille Weite des Bildraums im umliegenden Blatt: Wie in einer Studie des Urbanen setzen sich lineare Raster und monochrome Farbflächen in ihren Radierungen zu geometrischen Teilstrukturen aus Gittern, Geländern und anderen angedeuteten Gebäudeteilen zusammen – doch im leer gebliebenen Umraum lassen sie sich nicht eindeutig situieren. Andere Motiv-Raster hingegen nehmen monochrom und seriell gereiht das gesamte Blatt ein, überziehen abstrakt die Fläche. Einige Plastiken, aus Blechen gefertigte kleine Schreine oder Gipskonstrukte, zeigen eine metallene Industrieoptik und stehen, in nüchterner Empfindsamkeit, mit ihrem rauen, spiegelndem Material der weiten weiß belassenen Wand entgegen. Sie wirken wie vermeintliche Ausschnitte der Papierarbeiten, von blass umrissenen Gebrauchsgegenständen und Maschinen, aus ihrer profanen Umgebung enthobenen als stilisierte Teile verlassener Wohn- und Fabrikarchitektur. Johanna Honisch studiert Freie Kunst und Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und ist Meisterschülerin von Herbert Brandl. 2014 erhielt sie den Projektförderpreis der BEST Gruppe Düsseldorf, 2009 wurde ihr der Förderpreis für junge Kunst durch die LfA Förderbank Bayern verliehen. Ihre Arbeiten wurden bereits im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, in der Akademie der Bildenden Künste in München, im Rahmen der Triennale Grenchen in der Schweiz sowie der Biennale Skopje in Mazedonien gezeigt.



Aylin Leclaire (g. 1992 in Duisburg) und Florian Bittner (g. 1988 in Düsseldorf)

Leclaire & Bittner verbinden in intermedialen Arbeiten die Eigenschaften von Projektion und Malerei. Für die vorausgegangene, von Aylin Leclaire bemalte Leinwand konzipiert Florian Bittner eine Projektion, die sich mit den Motiven der Malerei verschränkt. So dunkelt das Video etwa eine ins Abstrakte verlaufende Wiesenlandschaft, schreibt ihr eine kleine Schafherde ein. Ihre Motive speist Leclaires Leinwand also aus ihrem direkten Gegen-Medium, dem bewegten Bild – genauso wie sich die Projektion nicht selbstgenügsam auf einer weißen Fläche abspielt, sondern seine spezifische Ästhetik erst durch die Verbindung mit der gemalten, bewegungslos ruhenden Fläche gewinnt. So verbleibt die Arbeit nicht als Video, das sich über ein Tafelbild legt, und nicht als Leinwand, die bespielt wird, sondern schafft sich ein eigenes Medium. Aylin Leclaire und Florian Bittner studieren Bildhauerei in der Klasse von Martin Gostner an der Kunstakademie Düsseldorf.



Prae Pupityastaporn (g. 1981 in Bangkok)

Prae Pupityastaporn spielt in ihren Gemälden die Blicke von Innen nach Außen, das Verhältnis von Nah und Fern, Fläche und Körper gegeneinander aus. Berge und Steine stellen ihre Solidität einem flachen Untergrund, dem Zitat des Blattes gegenüber. Durch die zufälligen Ausschnitte von grauen, gegliederten Flächen unkenntliche Architekturteile verlieren Pupityastaporns leere Räume ihre Eindeutigkeit. Auch Blicke durch geometrisch unterteilte Öffnungen erzeugen Ambivalenzen zwischen der Räumlichkeit des Baukörpers und der Abstraktion seiner Musterung. Wirken die Fenster von außen undurchdringlich, ist auch die Sicht hinaus durch Streben, Spiegelungen oder Vorhänge erschwert – wenn sie nicht gerade einen Ausblick auf unerwartete, surrealistisch anmutende Bergpanoramen bietet. Prae Pupityastaporn hat 2015 das Studium der Malerei als Meisterschülerin von Herbert Brandl an der Kunstakademie Düsseldorf mit Akademiebrief abgeschlossen. Zuvor absolvierte sie das Studium der Angewandten Kunst an der KMITL Bangkok sowie der Bildenden Künste an der HfG Offenbach bei Adam Jankowski.