Ausstellung

INA GERKEN

VERVE & TRANSITION

19 Juni — 26 Juli 2015

Der Pinselstrich ist essentiell in Ina Gerkens Malerei. Er zieht sich kreuz und quer linear, hin und her geschwungen oder in Schleifen über den Bildträger. Scheinbar ungebändigt, in einem expressiven, fast rhythmischen Gestus materialisiert sich der Farbauftrag. Aus den mal fest, mal locker übereinander gesetzten Strichen resultieren farbige Strukturen aus Acryl- und Ölfarbe, ein Zusammenspiel aus überwiegend Grün-, Blau- und Violetttönen, die sich überlagern und verflechten. Ihnen ist eine Ambivalenz zwischen Leichtigkeit und Präzision, Verpflichtung an den Bildträger und Verselbstständigung eigen, denn die Pinselstriche und das Gespachtelte scheinen, als wollten sie sich nicht eingrenzen oder allzu regelmäßig dirigieren lassen. Farbspuren schießen über den gesamten Bildträger und darüber hinaus, verlaufen scheinbar in die unendliche Weite jenseits des Randes. Dennoch stoßen sie gleichzeitig auch auf die Begrenzung durch das Format, müssen sich dem rechteckigen Untergrund anpassen, auf dem sie haften. Vor der Bildkante brechen kraftvolle Striche ab, machen Halt und laufen wieder ins Bildfeld zurück.

In seinem aktiven, ungehaltenen und doch von Gerken gelenkten Eigenleben enthüllt der Duktus auf experimentellen Streifzügen die genauen Bewegungen der Pinselhaare. Fast grafisch dominieren diese Linien, bringen das Zeichnerische der Malerei hervor. Material und Technik stehen im Vordergrund, die Spuren des Schaffens sollen sichtbar sein, keinesfalls übertüncht und versteckt werden. Fehler gibt es nicht, Zufälle werden zu neuen Ausdrucksformen für folgende Werke.

Das Zusammenspiel von Pinsel und Farbe erkundet Gerken in voller Bandbreite durch verschiedene Auftragsmodi, die sie medienübergreifend wechselt und kombiniert. Transparente, zerklüftete, aber auch deckend gemalte und sauber abschließende Farbsektoren mischen sich. Sie erscheinen bisweilen nahezu wie organische, vegetabile Verdichtungen. Andere Passagen erinnern an fließende Wasserströme. Die untereinander durchschimmernden Strukturen und Schichten vermitteln aber auch den Eindruck der Abgerissen- und Abgenutztheit, denn die unterliegenden Farbschichten blitzen durchweg hervor, erscheinen wie von der Zeit collagiert. So wandert der Blick über glatt aufgetragene Farbflächen im Vordergrund, hängt an Durchlässigkeiten, Unebenheiten, Einkerbungen und Farbrinnen. In Gerkens Bildern begegnen Pinsel- und Spachtelauftrag keinem vorherrschenden, zentralen Gestaltungselement. Besonders in den farblich zurückhaltenden Papierarbeiten bleibt die Farbe als Material nur ein Verbündeter, Mittel zum Ausdruck. Eisgrau- und Blassblau geben in diesen reduzierteren Kompositionen mehr Raum für die Erscheinung des Pinselstriches. Wo dieser an- oder absetzt, zieht er feine Streifen und Schlieren durch die Farbe, werden Acryl und Öl dunkler. Das Raue, das Handwerkliche des Malens soll Ziel, nicht nur Mittel von Gerkens Malerei sein. In kraftvollem Auftritt offenbart sich das Malwerkzeug in allen Kapazitäten, seine Spuren werden letztlich selbst Motiv von Gerkens abstrakter Malerei.

Die Ausstellung wird am 19. Juni 2015 um 19 Uhr eröffnet.