
Group Show
Art Düsseldorf
10 — 13 Apr 2025
Love is metaphysical gravity – R Buckminster Fuller
GOLESTANI ist erfreut, die Teilnahme an der Art Düsseldorf mit einer Präsentation zum Thema „love is the answer“ ankündigen zu dürfen. Gezeigt werden Malerei und Skulptur von Erik Olson, Sadie Laska, Siegfried Anzinger und Stefan Rinck mit Werken über die transformative Kraft der Liebe im Angesicht der Katastrophe. Zur Eröffnung am Donnerstag, den 10. April wird ab 12 Uhr herzlich zum Stand #G08 in Halle 2 eingeladen.
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Im Frühjahr 2025 konstatierte die Financial Times nicht ganz unbesorgt über den Fortbestand der Menschheit: „The relationship recession is going global“. Krieg, Wirtschaftskrise und Pandemie schienen nun weltweit auch in die letzten Löcher des Privaten vorzudringen und sich in eine Angst vor dauerhafter Bindung einzuschreiben. Die Psychologie, auf Krisensituationen voreingestellt und gewillt, den Menschen ihre Genussfähigkeit zurückzugeben, hielt unlängst Rat und Rezept bereit, verwies letztlich jedoch, da es ernst wird, auf die Philosophie: „Now that life has slowed down, it is the perfect time to become introspective and examine what we truly believe about our life on this earth amidst the universe.“ (Psychology Today). Höchste Zeit also, sich die Sinnfrage zu stellen—ein Exkurs:
Adorno wusste bereits von der drohenden Unmöglichkeit der Beziehung in der Industriegesellschaft, der Inhumanität des Fortschritts und ihren Folgen, der Verkümmerung des Subjekts. Wenngleich er Zweifel am Konzept der Ehe durchscheinen ließ („Jedes gemeinsam auftretende Ehepaar ist komisch.“) und keine Existenz ohne emotionale Störungen ausmachte, erinnerte er den Sinn, den die schönen Künste zu geben vermögen: Das Schöne gebietet dem Leben Halt und somit seinem Verfall, und: Im Zauber des Schönen spiegelt sich Hoffnung wider.
Hoffnungslos verliebt waren nun Amor und Psyche, Layla und Majnun oder gar Simonetta Vespucci und Giuliano de Medici—mit ihnen belegten doch zahlreiche Beispiele der Welt- und Literaturgeschichte ein tragisches Scheitern der Liebe eindrücklich, und mit ihnen erschien ebenjenes Scheitern geradezu als Signum wahrer, romantischer Liebe. Rilke ging zunächst an seiner Amour Fou zu Lou Andreas-Salomé zugrunde, um sich dann in seinem Scheitern auf- und einzurichten und Glückseligkeit darin zu finden: „Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug, um jede Stunde zu weihn.“ „Du sollst Dein Schicksal lieben.“, hieß es sodann bei Nietzsche, und „In der Not wird der Verstoßene zum Menschen.“, fasste Adorno zusammen. Nur Rumi ging noch weiter:
„This being human is a guest house.
Every morning a new arrival.
A joy, a depression, a meanness,
some momentary awareness comes
as an unexpected visitor.
Welcome and entertain them all!
Even if they’re a crowd of sorrows,
who violently sweep your house
empty of its furniture,
still, treat each guest honorably.
He may be clearing you out
for some new delight.
The dark thought, the shame, the malice,
meet them at the door laughing,
and invite them in.
Be grateful for whoever comes,
because each has been sent
as a guide from beyond."
Es scheint beinahe so, als ob die Liebe ihrer Negation, einer Dissonanz bedarf und erst am Tragischen in ihrer Schönheit vollends aufgeht, erst an ihr so recht erblüht, und im Spannungsfeld des inneren und äußeren Konflikts, der Katastrophe, an Glanz und Bedeutung zugewinnt. Für den Visionär Buckminster Fuller ist Liebe jedenfalls, physikalisch betrachtet, selbst jenes Spannungsfeld, und nichts weniger als die Kraft, die die Welt zusammenhält. Die Kunst, ganz Abbild der Wirklichkeit und ihre Gegenbewegung zugleich, hat die Dissonanz längst als Stilmittel einverleibt, und ihr einen festen Platz etwa als Funktion in der Bildkomposition zugewiesen.
Auch die Alten blieben von Krisen nicht verschont; gerade die Alten verwahrten sich eine Haltung der Zuversicht: Aus der Auseinandersetzung, der sinnlichen Fühlung mit den Dingen, Perspektiven zu gewinnen—darum kam es dem Denken seit jeher an. Platon verstand die Liebe als philosophischen Weg, der, im Aufstreben vom Allgemeinem zum Besonderen und vom Einzelnen zum Umfassenden, zu immer höheren Erkenntnissen führen soll. Die Suche des Liebenden vollendete dann idealiter im Schönen an sich, als würdigstes Objekt und höchste Stufe erreichbarer Wirklichkeit. Für Hegel alsdann war Schönheit das sinnliche Scheinen der Idee—für die Kunst ist sie ein Wesentliches, das weit über die Wohlgefälligkeit des goldenen Schnitts hinausgeht.
Der Anspruch auf Vergeistigung, die Transformation des Furchtbaren, das Tröstliche der großen Kunst: In die stumme Sprache der Dinge in Malerei und Plastik trägt sich unwiderstehlich die Idee von Ewigkeit und Unsterblichkeit ein, und mit ihr, die Sehnsucht aller Liebenden.
Dass nun die Frage nach dem Wert der Liebe ausgerechnet im Rahmen einer Kunstmesse gestellt und untersucht wird, erweist sich als folgerichtig. Denn die kapitalistische Gesellschaft hat die Liebe längst entdeckt und durchdrungen, in Beziehungen wird „investiert“. Und wenngleich hier das Kunstwerk, ganz Lustobjekt und Besitz, mit der Angst um das Eigentum verschwistert, in seinem Tauschwert als Ware verhandelt wird, bleibt das Auratische des Kunstwerks unanrührbar. Kunst ist Magie. In ihr erhebt sich das Schöne über das Schreckliche. Das Artefakt ist aber auch trotz oder gerade ob des Luxus’, der in den Sinn der Kunst eingewandert, niemals einig mit dem Geschmack, und darin antithetische Antithesis zur Gesellschaft, zweckmäßig ohne Zweck; es darf Chaos in die Ordnung bringen—wo nicht lieber, als genau hier: Die Kunstmesse Art Düsseldorf kann vom 10.—13. April 2025 in den Industriehallen des Areal Böhler besucht werden.
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SIEGFRIED ANZINGER (geb. 1953 in Weyer, Osterreich) verzeichnet mehrere bedeutende nationale und internationale Ausstellungen, darunter die Teilnahme an der Documenta 7 (1982) oder die Vertretung des österreichischen Pavillons auf der Biennale in Venedig 1988. Anzinger wurde 1986 mit dem Oskar-Kokoschka-Preis und 2003 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen des MoMA (New York City, USA), des Kolumba Museums (Köln, DE), des Belvedere (Wien, AUS) sowie zahlreicher weiterer Institutionen. Sein Einfluss reicht auch bis in eine junge Künstlergeneration. Nicht erst seit seiner Professur für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf (1998–2021) ist Anzinger eher Förderer als Lehrer und steht für die Freiheit des Ausdrucks in der Kunst. Bis heute sucht er nach neuen Lösungen in der Malerei.
SADIE LASKA (geb. 1974 in Prince, West Virginia, USA) ist eine bildende Künstlerin und Musikerin und lebt in Queens, New York. Sie erhielt ihren MFA 2014 am Bard College NYC. Laskas Arbeiten wurden international gezeigt, mit Einzelausstellungen bei CANADA, New York; Office Baroque, Brussels; KS Art, New York; und Galerie Ceysson & Bénetière in Paris, Saint Etienne, France; Luxemburg und Genf. 2017 nahm sie an einer von Damien Hirst organisierten Ausstellung in der Newport Street Gallery in London teil. Im selben Jahr kuratierte Laska "Animal Farm" – eine Gruppenausstellung im Brant Foundation and Study Center in Greenwich, CT. Darüber hinaus wurden ihre Arbeiten in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt, darunter Night Gallery in Los Angeles, sowie Gavin Browns Enterprise, White Columns, Marlborough Gallery, James Fuentes Gallery, alle in New York, und anderen. Laskas Band I.U.D. verzeichnete Auftritte im Whitney Museum of Modern Art, dem MoMA PS1 Contemporary Art Center, The Kitchen, dem ISSUE Project Room, Astrup Fearnley sowie der Kunsthalle Zürich.
ERIK OLSON (geb. 1982 in Calgary, Alberta, Kanada) wuchs als Kind in Calgary, Boston und Nairobi auf. Er schloss 2007 das Kunststudium an der Emily Carr University of Art in Vancouver mit einem Bachelor ab. Von 2014 bis 2016 besuchte er die Kunstakademie Düsseldorf als Gaststudent von Peter Doig. Olson kann auf internationale Ausstellungen zurückblicken, darunter im Glenbow Museum, Calgary, MOCA Calgary, der Art Gallery of Alberta, Edmonton, bei Luis de Jesus, Los Angeles, Brain Lee Programs, New York, Beers Contemporary, London (UK), Viviane Art, Vancouver, Michael Gibson Gallery, London (Kanada), und zahlreiche andere. Sein Schaffen fand Erwähnung in Juxtapoz, ELLE Canada, The London Free Press, London Yodeller und The Telegraph, Artillery Magazine. Seine Arbeiten sind Teil der ständigen Sammlungen der Art Gallery of Alberta, der Royal Bank of Canada, der Toronto Dominion Bank und der Ivey Business School. Olson lebt und arbeitet derzeit in Calgary.
STEFAN RINCK (geb. 1973 in Homburg/Saar) studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken sowie Bildhauerei an der Akademie der Künste in Karlsruhe. Er lebt und arbeitet in Berlin. Er hatte zahlreiche Galerie- und Museumsausstellungen, darunter im Museum de Hallen, Harlem (NL), Sorry We're Closed, Brüssel (BE), Nino Mier Gallery, Los Angeles und New York City (US), Vilma Gold, London (UK), Semiose, Paris (FR), Galerie Rüdiger Schöttle, München (DE), The Breeder, Athen (GR), Galeria Alegria, Madrid/Barcelona (ES) und Cruise&Callas, Berlin (DE). Er nahm an der Busan Biennale in Südkorea sowie am Vent des Fôret und La Forêt d’Art Contemporain in Frankreich teil, wo er permanente öffentliche Skulpturen schuf. 2018 wurde das Werk The Mangooses of Beauvais dauerhaft in der Pariser Innenstadt in der Rue de Grenelle 53-57 (Beaupassage) installiert. Die Sandsteinskulptur »Why I Carry / Large Load Bear« wurde im November 2021 auf dem Zionskirchplatz in Berlin-Mitte eingeweiht. Sie befindet sich in folgenden öffentlichen Sammlungen: CBK Rotterdam (NL), Musée de la Loterie (BE), Krohne Collection (DE), FRAC Corse (FR). 2019 wurde Stefan Rinck in der Thames & Hudson-Publikation 100 Sculptors of Tomorrow vorgestellt. Der Dokumentarfilm »Heart of Stone« von Sonja Baeger feierte 2021 in Berlin Premiere und zeigt den Entstehungsprozess dreier monumentaler Skulpturen von Stefan Rinck.