Victoria Keddie
Everything-in-Air
5 Sep — 4 Okt 2026
GOLESTANI ist erfreut, mit Everything-in-Air die erste Einzelausstellung der New Yorker Künstlerin Victoria Keddie zu präsentieren. Im Zentrum der Ausstellung steht die fortlaufende Videoinstallation Electrona in Crystallo Fluenti (40.7128° N, 74.0060° W), ergänzt durch eine Serie graphischer Arbeiten und eine Live-Performance. Ausgehend von Echtzeitdaten kreisender Satelliten übersetzt die Arbeit Bewegungen im Erdorbit in Bild und Klang und macht verborgene Netzwerke technologischer Kommunikation erfahrbar. Zur Ausstellungseröffnung am Samstag, den 5. September 2026, wird ab 18 Uhr herzlich in die Galerie in Düsseldorf eingeladen.
Eröffnung
Samstag, 5. September 2026
18–21 Uhr
Live-Performance
Freitag, 2. Oktober 2026
19 Uhr
__
“Im Traume muss uns die Freiheit verstattet sein, bisweilen auch das zu erfinden, was uns durch die Sinne niemals gegeben war.” – Johannes Kepler, Somnium, 1634
“Alles liegt in der Luft. Eine Atmosphäre. Durch Klang erfahrbar. Eine Erkundung vertrauter Vorstellungen von Grenze und Illusion. Die Aktivierung bestimmter mentaler Eigenschaften." (aus dem Englischen: "Everything-in-air. An ambience. Apparent by sound. Exploring familiar acknowledgements of boundary and illusion. Activating certain mental properties.”) – Maryanne Amacher, Notes for a press release, Merce Cunningham Studio at Westbeth, 1974
Electrona in Crystallo Fluenti (ECF) verbindet Klang, Daten und Bild zu einer poetischen Untersuchung der erdnahen Umlaufbahn: jenes physisch realen, mit bloßem Auge jedoch nicht wahrnehmbaren Raums, in dem sich Spuren menschlicher Technologie sammeln. Ausgehend von Bewegungsdaten von Satelliten und Weltraumobjekten übersetzt die Arbeit die Dynamik des Orbits in ein sich veränderndes Klangbild und eröffnet eine neue Perspektive auf unsere Beziehung zu den Infrastrukturen, die wir jenseits der Erde geschaffen haben.
Projektbeschreibung
Electrona in Crystallo Fluenti eröffnet einen Zugang zur erdnahen Umlaufbahn (LEO – Low Earth Orbit), in der materielle Spuren menschlicher Technologie zurückgeblieben sind: mehr als 20.000 identifizierbare Objekte wie ausgediente Raketenstufen, funktionslose Satelliten und Fragmente vergangener Kollisionen. Darüber hinaus befinden sich Millionen kleinerer Fragmente im Orbit, von Solarpaneelen und verlorenen Werkzeugen bis hin zu mikroskopisch kleinen Metall- und Farbpartikeln.
Diese Hinterlassenschaften bilden ein Archiv technologischer Entwicklung und menschlicher Präsenz im All. Durch ihre Verklanglichung werden die Objekte als materielle Spuren einer Geschichte erfahrbar, die nicht ausgegraben werden muss, um sichtbar zu werden.
1978 veröffentlichen die US-amerikanischen Astronomen und NASA-Mitarbeiter Donald J. Kessler und Burton G. Cour-Palais ihre gemeinsame Forschungsarbeit "Collision Frequency of Artificial Satellites: The Creation of a Debris Belt". Darin beschreiben sie den Mechanismus, der später als Kessler-Syndrom bekannt wurde: ein Szenario, in dem sich Kollisionen zwischen Weltraumschrott und Satelliten kaskadenartig verstärken können und dadurch Kommunikationssysteme im Orbit erheblich beeinträchtigen. Nach der Kollision der Satelliten Iridium 33 und Cosmos 2251 im Jahr 2009 wurden die Bemühungen verstärkt, den Weltraumschrott zu reduzieren: entweder durch das kontrollierte Entfernen von Objekten aus der Umlaufbahn, sodass sie in der Atmosphäre verglühen, oder durch ihre Verlagerung in eine supersynchrone Umlaufbahn. Eine umfassende Lösung wurde bislang nicht realisiert; die Überreste menschlicher Technologie verbleiben weiterhin in diesem Zwischenraum.
Hintergrund: Weltraumschrott und die erdnahe Umlaufbahn
Die erdnahe Umlaufbahn ist heute eine zentrale Infrastruktur der Menschheit. Sie ermöglicht unter anderem Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung sowie zahlreiche Anwendungen in Forschung und Wissenschaft. Gleichzeitig befinden sich dort tausende nicht mehr genutzte menschengemachten Objekte. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) schätzt, dass darüber hinaus Millionen kleinerer Fragmente die Erde umkreisen. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit können selbst kleinste Partikel eine Gefahr für aktive Satelliten und zukünftige Raumfahrtmissionen darstellen. Die zunehmende Dichte dieser Hinterlassenschaften macht die erdnahe Umlaufbahn zu einem Raum, dessen Nutzung und Überwachung langfristig geregelt werden muss. Neben der Beobachtung bereits vorhandener Objekte geht es dabei auch darum, die Entstehung weiterer Rückstände zu vermeiden und den Orbit als gemeinsam genutzte Infrastruktur zugänglich zu halten.
Methode
Ausgehend von Live-Kompositionen und Echtzeit-Interaktionen mit den in der Umlaufbahn befindlichen Objekten nutzt die Künstlerin Klang als Medium, um diesen orbitalen Raum zu erschließen. Den einzelnen Objekten werden elektromagnetische Sinuswellen als akustische Identifikatoren zugeordnet. Diese werden durch ihre physischen Eigenschaften moduliert: durch minimale Verschiebungen, Annäherungen und potenzielle Kollisionen, sowie durch zusätzliche Sequenzierungen und tonale Veränderungen erweitert.
Eine eigens entwickelte VR-Software visualisiert Echtzeit-Ortungsdaten der NASA und ESA über spezifischen Koordinaten. Über eine OSC-Schnittstelle werden Impulse ausgelöst, die einzelne Objekte in der Umlaufbahn live in Klang übersetzen.
Umgeben von televisuellen Störgeräuschen spiegelt jedes Signal die jeweilige orbitale Situation seines Objekts wider. Seine Stimme bewegt sich wie ein Körper durch Blockaden und Interferenzen, bevor sie allmählich in eine entropische Auflösung übergeht: eine poetische Darstellung der dynamischen Geschichte, die in den Überresten unserer technologischen Vergangenheit eingeschrieben ist.
Installation
Die Arbeit wird als Installation aus Klang, Video, Live-Daten, graphischen Arbeiten und einer Vinyl-Schallplatte präsentiert und ermöglicht es der Besucherschaft, die orbitale Umgebung als ein dynamisches, medial vermitteltes System wahrzunehmen. Die Vinyl-Schallplatte isoliert den unmittelbar aus den Daten generierten Klang; das Video enthält alle weiteren akustischen Elemente. Diese Trennung teilt die Arbeit in zwei Ebenen: die Visualisierung der Daten und ihre Verklanglichung.
Credits
Recherche und erste Entwicklung wurden durch eine Residency der Kone Foundation (Koneen Säätiö), Mynämäki, Finnland (2018) unterstützt.
Ausstellungsgeschichte
Electrona in Crystallo Fluenti (40.7128° N, 74.0060° W)
Fridman Gallery, New York City, NY
2. November – 17. Dezember 2022
Eine limitierte Vinyl-Edition von Electrona in Crystallo Fluenti (40.7128° N, 74.0060° W) wurde von Fridman Gallery, New York City, produziert und veröffentlicht. Die Aufnahme basiert auf Live-Sessions, die zwischen 2020 und 2021 entstanden, und wurde zeitgleich mit der Ausstellung als Zeitkapsel jener Pandemie-Jahre herausgegeben.
Live-Performances
ARoS Art Museum, Aarhus, Dänemark
Saari Residency, Finnland
Fridman Gallery, New York, USA
Epsilon Spires, Vermont, USA
Coaxial, Kalifornien, USA
WAVE Farm / New Ear Festival, Hudson, NY, USA
Graphische Arbeiten
Die Serie graphischer Arbeiten (jeweils als Edition von 3) stellt visualisierten Weltraumschrott mithilfe einer eigens entwickelten 3D-Software dar. Die Trümmer – nicht identifizierbare Fragmente, die während Live-Sessions von verschiedenen Orten der Welt aus lokalisiert und aufgezeichnet wurden – erscheinen als sich verändernde Punkte im Raum. Hier erscheint der Weltraumschrott als amorphes Rauschen, das in Sekundenbruchteilen sichtbar wird. Farbe fungiert dabei als eine Art Blende, die – ähnlich wie die Pupille des menschlichen Auges – den Lichteinfall reguliert und dadurch unseren Blick abwechselnd verdeckt und freigibt.
__
Victoria Keddie
Die in New York City lebende Künstlerin Victoria Keddie arbeitet an der Schnittstelle von Klang, Bewegtbild, Forschung und Performance. Sie untersucht die Beziehung zwischen menschlicher Wahrnehmung und technologischen Systemen und entwickelt immersive audiovisuelle Umgebungen, in denen Daten, Raumklang und mediale Prozesse zu künstlerischem Material werden.
Ihre Arbeiten wurden international präsentiert, unter anderem im The Museum of Modern Art (MoMA), New York, im Whitney Museum of American Art, New York, im Rahmen der Whitney Biennial (2014), im Museum Angewandte Kunst Frankfurt, im The Drawing Center, New York, im Museum of Arts and Design, New York, sowie im ARoS Art Museum, Aarhus. Ihre performativen und audiovisuellen Arbeiten wurden zudem im Rahmen der Performa Biennial in New York gezeigt.
Keddies Projekte wurden durch Institutionen und Stiftungen wie die Kone Foundation (Koneen Säätiö), Mynämäki, Finnland, das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main, das Bemis Center for Contemporary Arts, Pioneer Works und die New York Foundation for the Arts unterstützt.
Electrona in Crystallo Fluenti entstand im Rahmen einer durch die Kone Foundation (Koneen Säätiö), Mynämäki, Finnland (2018), unterstützten Residency, wurde 2022 in der Fridman Gallery, New York City, uraufgeführt und seither als fortlaufendes Projekt weiterentwickelt. Derzeit promoviert Victoria Keddie am Sonic Arts Research Centre der Queen’s University Belfast, wo sie ihre Forschung zu Klang, Technologie und räumlicher Wahrnehmung weiterführt.
#
GOLESTANI is pleased to present Everything-in-Air, the first solo exhibition by New York–based artist Victoria Keddie. At the center of the exhibition is the ongoing video installation Electrona in Crystallo Fluenti (40.7128° N, 74.0060° W), accompanied by a series of graphic works and a live performance. Drawing on real-time data from orbiting satellites, the work translates movement in orbit into image and sound, making hidden networks of technological communication perceptible. We warmly invite you to the exhibition opening on Saturday, September 5, 2026, from 6 to 9 pm at the gallery in Düsseldorf.
Opening reception
Saturday, September 5, 2026
6–9 pm
Live Performance
Friday, October 2, 2026
7 pm
__
“In a dream we need to invent freely, even that which is not given by the senses.” – Johannes Kepler, Somnium, 1634
“Everything-in-air. An ambience. Apparent by sound. Exploring familiar acknowledgements of boundary and illusion. Activating certain mental properties.” – Maryanne Amacher, Notes for a press release, Merce Cunningham Studio at Westbeth, 1974
Electrona in Crystallo Fluenti (ECF) combines sound, data, and image in a poetic investigation of Low Earth Orbit – a physically real yet imperceptible space in which the traces of human technology accumulate. Drawing on movement data from satellites and orbital objects, the work translates the dynamics of orbit into an audiovisual experience, offering a new perspective on our relationship with the infrastructures we have created beyond Earth.
Project Description
Electrona in Crystallo Fluenti opens a pathway into Low Earth Orbit (LEO), a space where the material traces of human technology have accumulated: more than 20,000 identifiable objects, including discarded rocket stages, defunct satellites, and fragments from past collisions. In addition, millions of smaller fragments orbit Earth, ranging from solar panels and lost tools to microscopic metal and paint particles.
These remnants form an archive of technological development and human presence beyond Earth. Through their sonification, the objects become perceptible as material traces of a history that need not be excavated in order to become visible.
In 1978, the American astronomer Donald J. Kessler and NASA scientist Burton G. Cour-Palais published their joint research paper "Collision Frequency of Artificial Satellites: The Creation of a Debris Belt". It describes the mechanism that later became known as the Kessler Syndrome: a scenario in which collisions between space debris and satellites can cascade, potentially severely affecting communication systems in orbit. Following the 2009 collision of the satellites Iridium 33 and Cosmos 2251, efforts to reduce space debris were intensified, either through the controlled removal of objects from orbit so that they burn up in the atmosphere, or through their relocation to a supersynchronous orbit. No comprehensive solution has yet been realized; the remnants of human technology continue to remain in this intermediate space.
Background: Space Debris and Low Earth Orbit
Low Earth Orbit is today a central infrastructure of humanity. It enables satellite communication, Earth observation, and numerous applications in research and science. At the same time, thousands of human-made objects that are no longer in use remain there. The European Space Agency (ESA) estimates that millions of smaller fragments are also orbiting Earth. Due to their extreme velocity, even the smallest particles can pose a risk to active satellites and future space missions. The increasing density of these remnants makes Low Earth Orbit a space whose use and monitoring will need to be regulated over the long term. Beyond observing existing objects, this also means preventing the creation of further debris and maintaining the orbit as a shared infrastructure.
Method
Working through live compositions and real-time interactions with objects in orbit, the artist uses sound as a medium to access this orbital space. Individual objects are assigned electromagnetic sine waves as sonic identifiers. These are modulated by their physical characteristics: by subtle shifts, changes in proximity, and potential collisions, as well as through additional sequencing and tonal variations.
A custom-developed VR software visualizes real-time tracking data from NASA and ESA using specific coordinates. Through an OSC interface, impulses are triggered that translate individual orbital objects into sound live. Amid televisual static, each signal reflects the orbital condition of its object. Its voice moves like a body through obstruction and interference before gradually dissolving into entropy – a poetic rendering of the dynamic history inscribed in the remnants of our technological past.
Installation
The work is presented as an installation comprising sound, video, live data, graphic works, and a vinyl record, allowing visitors to experience the orbital environment as a dynamic, mediated system. The vinyl record isolates the sound generated directly from the data, while the video contains all additional sonic elements. This separation divides the work into two layers: the visualization of data and its sonification.
Credits
Research and initial development were supported by a residency at the Kone Foundation (Koneen Säätiö), Mynämäki, Finland (2018).
Exhibition History
Electrona in Crystallo Fluenti (40.7128° N, 74.0060° W)
Fridman Gallery, New York City, NY
November 2 – December 17, 2022
A limited-edition vinyl record of Electrona in Crystallo Fluenti (40.7128° N, 74.0060° W) was produced and released by Fridman Gallery, New York City. The recording is based on live sessions created between 2020 and 2021 and was released alongside the exhibition as a time capsule of the pandemic years.
Live Performances
ARoS Art Museum, Aarhus, Denmark
Saari Residency, Finland
Fridman Gallery, New York, USA
Epsilon Spires, Vermont, USA
Coaxial, California, USA
WAVE Farm / New Ear Festival, Hudson, NY, USA
Drawing Series
This drawing series (each an edition of 3) renders visualized debris in orbit through custom 3D software. The debris—unidentifiable fragments recorded from live sessions at locations around the world—appears as shifting points in space. Here, the debria exists as amorphous static between seconds. Color functions as an aperture, alternately obscuring and revealing our view.
__
Victoria Keddie
New York City–based artist Victoria Keddie works at the intersection of sound, moving image, technology, and performance. She explores the relationship between human perception and technological systems, developing immersive audiovisual environments in which data, spatial sound, and media processes become artistic material.
Her work has been presented internationally, including at The Museum of Modern Art (MoMA), New York; the Whitney Museum of American Art, New York, as part of the Whitney Biennial (2014); Museum Angewandte Kunst, Frankfurt; The Drawing Center, New York; Museum of Arts and Design, New York; and ARoS Art Museum, Aarhus. Her performative and audiovisual works have also been presented as part of the Performa Biennial in New York.
Keddie’s projects have been supported by institutions and foundations including Kone Foundation (Koneen Säätiö), Mynämäki, Finland; the Max Planck Institute for Empirical Aesthetics, Frankfurt am Main; Bemis Center for Contemporary Arts; Pioneer Works; and the New York Foundation for the Arts.
Electrona in Crystallo Fluenti was developed through a residency supported by Kone Foundation (Koneen Säätiö), Mynämäki, Finland (2018), premiered at Fridman Gallery, New York City, in 2022, and has since continued to evolve as an ongoing project. Victoria Keddie is currently pursuing a PhD at the Sonic Arts Research Centre, Queen’s University Belfast, where she continues her research into sound, technology, and spatial perception.