Ausstellung

Group Show

Kommune Heinz

7 SEP — 14 OKT 2018

Eine Ausstellung mit Malerei von Hell Gette, Freya Stockford, Dora Celentano und Andreas Behn-Eschenburg. Zur Eröffnung am Freitag, den 7. September 2018 wird ab 19 Uhr herzlich in die Galerie eingeladen.


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Hell Gette (g. 1986 in Karabulak, Kasachstan, lebt in München) verwebt Symbole des digitalen Alltags in ihre phantastischen, grellen Bildsujets. Wütende Emojis und fröhliche Symbole, leere Sprechblasen und gefüllte Textfelder schweben in freier Assoziation über Strandszenen unter Palmen, gliedern sich in knallbunte, paradiesische Landschaften ein. Wie gemalte Klebeelemente integrieren Gettes Arbeiten die Zeichen aus der digitalen Werbe- und Popkultur, die sich zu einer Bildfindung zwischen malerischer Collage und trivialästhetischer Tafelmalerei zusammensetzen. Hinter allem scheint das Interesse an den Symbolen aus Pixeln zu stehen, der Auflösung des digitalen Bildes in die Vielfalt seiner motivischen Einzelteile und der collagierten Neuzusammensetzung, bis in die Absurdität. Doch sind Gettes Bildwelten nur auf den ersten Blick idyllisch, die Anwendung der digitalen Werkzeuge bewusst sichtbar und grob. Ein Hauch der Gefahr liegt immer in der Luft, der sich in manchen Szenen dann wie eine potenziell tödliche Ankündigung der Katastrophe im digitalen Paradies liest: Am Himmel ein gebrochener Regenbogen und am Grund strudelndes Wasser, gelbe Blitze kommen herab, Vulkane speien Feuer. Fragmentierte Totenköpfe und Zombies erinnern an die Action-Ästhetik des Videospiels. Es sind Bilder zwischen traumartigen Sequenzen und apokalyptische Szenerien, wie von einem Screen mit all seinen digitalen Botschaften und Unterhaltungsoptionen entlehnt. Gettes phantastische Welten, ihre „Landschaften 3.0“, variieren das traditionelle Sujet in einem bunten Spiel althergebrachter und neuster Bildgestaltung. Die wilden, mit Symbolen beladenen Szenen basieren auf verfremdeten Pleinair-Motiven, die sich in der anlogen wie digitalen Verfremdung vom Aquarell zum Photo, und schließlich auf dem Bildschirm zu immer phantastischeren Szenen entwickeln – bis sie wie in einer Hommage an das Tafelbild zurück ins Öl übersetzt, zu Welten zwischen digital und analog werden. Denn trotz aller blinkenden, digitalen Zeichen verschreibt sich Hell Gette auch im 21. Jahrhundert der Malerei, dem traditionellen Medium der Bildenden Künste schlechthin. Sie reizt die materiellen Qualitäten der Farbe aus, bis sie von der Leinwand hervortritt. Der Farbauftrag in den Nuancen des Regenbogens ist mal pastos, mal glatt und steht oft im Kontrast zu benachbarten Farbflächen. Der expressive, materiale Strich formt die sonst durch Pixel und Flächigkeit gekennzeichneten Symbole, und überführt sie reliefartig vom Digitalen in das real Dreidimensionale. Hell Gette hat 2018 das Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Markus Oehlen mit Auszeichnung abgeschlossen. Ihre Arbeiten wurde zuletzt mit dem Debütantenpreis der Akademie geehrt und in die ständige Sammlung der Hubert Burda Collection aufgenommen.


Freya Stockford (g. 1992 in Huddersfield, lebt in Yorkshire) erkundet Gebrauchsgegenstände mit sachtem Strich, überprüft in bunter Flächigkeit das auf den ersten Blick banal Erscheinende auf seine einzigartige Ästhetik. Zarte Umrisse skizzieren Alltägliches auf pastellen Farbflächen: Dinge, die zunächst vertraut erscheinen und in ihrer Inszenierung zwischen Graphik und Malerei doch fremd wirken. Bunte Flächen ergänzen sich wie beim Scherenschnitt im Zusammenspiel oder werden einander kontrastreich gegenübergestellt. Sie kippen, werden zum perspektivisch verwirrenden Raum und Grund, der Alltagsgegenstände, Lebensmittel oder manchmal kaum Definierbares trägt. So sind Stockfords Arbeiten nicht alleine Reflektionen der Tradition des Alltagsgegenstands im Stillleben, sondern auch visuelle Gedankenspiele über die Umsetzung des Motivs im graphischen wie malerischen Medium. Freya Stockford hat 2014 das Studium der Malerei und Druckgraphik an der Glasgow School of Art abgeschlossen. Im selben Jahr wurde ihr künstlerisches Schaffen mit dem Glasgow School of Art Armour Award for Still Life sowie mit dem Glasgow School of Art Student Life Prize ausgezeichnet.


Dora Celentano (g. 1988 in Oberhausen) widmet sich ganz dem Spiel der Schatten und Silhouetten ihrer floralen Motive, die sie in all ihren ornamentalen Facetten erkundet. Feingliedrige Blätter legen sich wie graue und grüne Schatten aus Farbe über dünne Äste und größere Palmwedel. Mal fallen und fließen die gemalten und gedruckten Muster matt und deckend, mal lassen sie körnig und blass das Faserige des Bildträgers durchschimmern. In serialer Wiederholung verdichten sich in anderen Arbeiten nur einzeln auftretende Motive bis zum undurchsichtigen Wald aus Farbschatten. Diese fallen kurz und farbig, kräftig oder lang und ausgeblichen in unterschiedlichen Perspektiven auf die Leinwand – und staffeln sich doch zu einer zusammenhängende Poesie des Blätterwerks, das jedes Oben und Unten, den Vorder- und Hintergrund aufhebt. Celentanos Pinselstrich löst die Schattenwürfe bis zu abstrahierten, geometrisierten grün-braune Formen auf, die im Dickicht oder auf leerer Leinwand ihr geometrisches Positiv und Negativ zeigen, mitunter den gesamten Bildträger einnehmen. Dora Celentano hat 2018 das Studium der Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin von Prof. Stefan Kürten abgeschlossen und wurde mit dem Lions Grant sowie dem BEST Project Grant Award ausgezeichnet.


Andreas Behn-Eschenburg (g. 1988 in Zürich, lebt in Glasgow und Helsinki) verschreibt sich in seinen Gattungsgrenzen überschreitenden Werken der malerischen und graphischen Ausprägungen von Farbe und Strich, die im Rahmen des disegno und colore traditionell als Grundlage künstlerischer Schöpfung verstanden werden können. Behn-Eschenburg lässt die reine Farbe in Flächen- und geometrischen Blöcken mit Linien und Strichen zusammentreffen, die einen Wettstreit zwischen Fläche und Körper austragen. Im gemeinsamen Raum oder auf der geteilten Leinwand wird der pastose Pinselstrich als graphisches Muster bis hin zur Plastik variiert und verlebendigt sich: Der farbige Strich wirkt beinahe gegenständlich, tritt vor dem Hintergrund hervor und nimmt dadurch wiederum dreidimensionale Qualitäten an. Immer wieder zeigt auch das Raster als Ikone der avantgardistischen Abstraktion, was es neben seiner graphischen Qualitäten malerisch zu bieten hat. Von der deckenden, schwarzen Linienformation in akkuraten rechten Winkeln entwickelt es sich zu einer Überlagerung gestischer Striche, die mit grobem Pinsel in Beziehung treten. In seinen Facetten wird es zur Metapher für die Leinwand als Trägermedium und Fläche, Behn-Eschenburgs Arbeiten zur Reflexion über die Malerei. Glatte, grobe, ganz materiell hervortretende Striche legen sich auf zackige und faserige Drucke, Farbflächen, die weiße Leinwand. Diese wird, durch grelle Linien oder auslaufende Blautöne am Bildrand betont, selbst zum alleinigen Bildinhalt, wenn das der Darstellung zugrunde liegende Weiß leuchtend hervortritt. Andreas Behn-Eschenburg hat das Studium der Malerei und Druckgraphik an der Glasgow School of Art abgeschlossen und wurde mit dem Euan Steward Memorial Prize ausgezeichnet.