Ausstellung

Amadeus Certa

o.O

29 Okt — 3 Dez 2022

GOLESTANI ist erfreut, eine neue Ausstellung mit Malerei von Amadeus Certa ankündigen zu dürfen. Zur Ausstellungseröffnung wird herzlich in die Galerie eingeladen.


Ausstellungseröffnung
Samstag, 29. Oktober 2022
18 — 21 Uhr

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Unter dem Einfluss von Comics, Social Media, Digital- und Street Art schafft Amadeus Certa Bildwelten, die mit pop- und jugendkulturellen Referenzen die Ästhetik einer sich stetig wandelnden Mediengesellschaft reflektieren. Durch Motive aus Manga, Anime und Videospielen thematisiert Certa zugleich das zutiefst menschliche Bedürfnis nach Mythologie, das über Jahrtausende hinweg bis ins heutige Medienzeitalter wirkt.

Amadeus Certa überführt seine von Popkultur geprägten Sehgewohnheiten in die Malerei. Der Einsatz von Graffiti verortet seine Ästhetik im urbanen Kontext und macht die zumeist digital präsenten Motive der asiatischen Popkultur geradezu haptisch dingfest. Dafür schöpft der 1992 geborene Künstler motivisch insbesondere aus der Dragonball Saga, die sich auf einen chinesischen Roman aus dem 16. Jahrhundert bezieht.

Die ominöse, nahezu kosmische Hintergrundgestaltung der Gemälde wird dabei zur metapikturalen Referenz der Leinwand auf sich selbst – eine Bildtradition, die mit dem neuzeitlichen Tableau Hochkonjunktur erhielt. Durch die Verwendung von Ölfarbe lässt Certa die kommerzialisierten Motive auf den traditionellen Bildträger einziehen. Mit der Benutzung von Tusche oder Marker wird die Leinwand gleichwohl trivialisiert. Die besonders grafisch gestalteten Sujets als zeitgenössische Überlieferung mythologischer Inhalte betonen das Skizzenhafte, Spontane und Expressive der Arbeiten.

Der Ausstellungstitel „o.O“ – das Chatzeichen für Verwunderung – bietet von Beginn an eine mediensensible Lesart an. Certas Techniken reflektieren auch die visuellen Strategien, denen wir alltäglich durch Werbung und soziale Medien ausgesetzt sind. Zwar handelt es sich bei der von Certa vielfach genutzten Überlappung zwischen Bild und Schriftzeichen um ein althergebrachtes Gestaltungsprinzip der Klassischen Moderne. Die Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit von Bild und Schrift scheint aber zuletzt durch digitales Kommunikationsverhalten, die Nutzung von Bild und Videomaterial in sozialen Medien, immer präsenter zu werden.

Auch auf den Prozess der digitalen Content-Gewinnung selbst wird angespielt: Mit dem Gemälde „Snapshot“ werden Social Media und die Praktiken des Selfies direkt adressiert: Eine nahezu gesichtslos wirkende Person nimmt mit dem Smartphone eine Porträt von sich auf. Nähe, Distanz, Intimität und Anonymität im Netz drängen sich als Assoziation auf – die Betrachter:innen werden zu stillen Beobachter:innen des Sich-Selbst-Beobachtens und Ablichtens eines Anderen.

Amadeus Certas Motive lassen sich zugleich im Kontext der sich rasant verändernden Gesellschaft und digitalen Transformation verstehen. So kann ein sich stetig wandelndes Pokémon durchaus als Sinnbild einer sich stetig wandelnden Welt gelesen werden und erinnert mit dem Titel „Mutant Ditto“ fast schon zwingend an die letzten beiden Jahre Pandemie – die dem Thema Digitalisierung eine noch größere Bedeutung für Arbeit und Alltag verliehen und neuen Transformationsprozessen innerhalb der Gesellschaft Vorschub geleistet haben.

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AMADEUS CERTA (g. 1992 in Mannheim) hat das Studium der Malerei und Graphik 2016 als Meisterschüler von Siegfried Anzinger an der Kunstakademie Düsseldorf mit Auszeichnung abgeschlossen. Für seine Abschlusspräsentation erhielt er den Rundgangspreis der Kunstakademie. 2018 wurde Amadeus Certa mit dem Heinrich-Vetter-Preis für Bildende Kunst gewürdigt. Certas Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen national und international zu sehen, darunter institutionelle Häuser wie das Schloss Ujazdowski Center for Contemporary Art in Warschau sowie im Museum Port 25 – Raum für Gegenwartskunst in Mannheim.